Wesentliche Merkmale der Musik von Claude Lenners sind...
die Titel seiner Partituren, die größtenteils auf literarische Werke zurückgreifen. Sie sind Lehnwort, Herausforderung,
Umdeutung, Inspirationsquelle, Slogan sowie Wahlverwandschaft.
die Kontraste zwischen meditativem Klang mit ihren Schwerelosigkeit vermittelnden Akkorden einerseits, und sehr
nervösen instrumentalen Passagen andererseits, die vom Interpreten großes Können verlangen. Beim Komponieren geht
Claude Lenners gern auf die Personalität der Instrumentalisten ein, für die er "Charakterstücke" schreibt.
die Klangfarbeneffekte, die er sowohl durch Kombinatorik im instrumentalen Zusammenspiel, als auch auf kompositionstechnischer
Ebene erzeugt.
nicht zuletzt seine sorgfältig ausgeklügelte Phrasierungsarbeit, die dank phonetischer Studien im Bereich der gesprochenen
Sprache immer wieder auftaucht.
Seine intellektuelle Nahrung...
Sein Interesse an außereuropäischen Kulturen gibt Ihm - über die eigene Horizonterweiterung hinaus - aufschlussreiche
Denkanstöße über unsere okzidentalische Traditionen.
Er sammelt Sprichworte, Sinnbilder und Ausdrücke in verschiedenen Sprachen und freut sich über den Klang der Wörter und die
Erkenntnisse, die sich im Vergleich mit Charakter und Mentalität der verschiedenen Völker ergeben.
Schach ist für Ihn eine wichtige Angelegenheit. Er analysiert gerne Partien großer Meister und gibt sich die Mühe, den
"besseren Zug" zu finden. Für Ihn haben Schach und Komposition etwas gemein: es geht in beiden Fällen um interne Logik,
um Abwägung, um Artikulation und Formulierung von Denkprozessen in der Dimension Zeit, es geht um Folgerichtigkeit der zu
kombinierenden Gedankengänge. Tausende von Entscheidungen müssen getroffen werden. Faszinierend sind beide Disziplinen, weil
sie eine Strenge des Denkens verlangen und eine Herausforderung an die Intelligenz sind.
Claude Lenners hat großes Interesse an den derzeitigen spekulativen wissenschaftlichen und soziologischen Denkmodellen zum
Thema "Zukunft der Menschheit", sowie insgesamt an Situationen, die ausgehend von aufgestellten Paradigmen, Lawinen von
denkbaren Wahrscheinlichkeiten auslösen.
Wovon er träumt ...
wäre, eines Tages eine Partitur zu komponieren, die wie der Sand am Meer weder Anfang noch Ende hat, und diese Komposition
Jorge Luis Borges zu widmen. Die Partitur wäre graphisch so genau und sorgfältig auszuarbeiten, dass das Werk allein vom
Notenschriftbild her, einen selbstständigen ästhetischen Wert erhielte.